Bad Camberg. Wie fotografiert man
einen Spiegel so, dass der Fotograf selbst darin nicht zu sehen ist? Welche
Inspirationen hält eine Bahnfahrt bereit? Halbtrocken oder lieber trocken?
In dieser Spannbreite bewegten sich am Samstagabend die eifrigen
Gesprächsrunden an den Tischen, die in der Amthof-Galerie aufgestellt worden
waren.
Denn an diesem Abend hatte der Trägerverein der Galerie nicht nur zur
Eröffnung der Herbstausstellung mit Werken zahlreicher Künstler aus seinen
Reihen eingeladen, sondern auch zum geselligen Rotweinabend, der bei edlen
Tropfen, Schmalz- und Kräuterbutterbroten zum Ins-Gespräch-Kommen und
Fachsimpeln diente – nicht nur aber auch über Kunst und die, die sie machen.
Auch die Foto-AG des Amthofs ist mit ihren Arbeiten zum gemeinsamen Thema
„Deckel“ vertreten. Neben Verschlüssen aus der Welt der Technik findet sich
dort der „Hut“ auf einer gefüllten Paprika. Auch Skulpturen kommen nicht zu
kurz – von filigranen Prozellanpuppen bis zu einer überlebensgroßen, kräftig
bunten, neugierig durch die Amthof-Räume watschelnden Gans.
Die Freude am Leben, die sich in der Kunst niederschlägt; das war auch das
Thema mit dem sich Franziska Kopp befasste, der Amthof-Chef Klausjürgen
Herrmann die Eröffnungsrede überließ. „Die Aufgabe der Künstler sollte es
sein, die Schönheit der Welt zu zeigen“, fasste sie ihr Kunstverständnis
zusammen. Dann entstünden Bilder, von denen man nicht genug bekommen kann,
Bilder, die man immer wieder anschauen muss, vielleicht auch Bilder, die es
dem Betrachter schwer machen, sie zu verstehen, oder gar Bilder, die man
lieber wieder vergessen würde. Doch sie alle seien Ausdruck künstlerischen
Engagements sowie, nicht zu vergessen, von mitunter langer und intensiver
Arbeit. „Hinter der Leichtigkeit der Bilder steckt oft jahrelange Übung“,
erklärte Franziska Kopp.
Während Stadtrat Heinz Schaus (SPD) kompakte Grüße der Stadt Bad Camberg
überbrachte, hatte Klausjürgen Herrmann einen Verlust zu beklagen:
Angesichts der vielen kunst- und weinbegierigen Besucher war die Handglocke
zu Bruch gegangen, mit der er sich sonst immer Gehör verschafft.
Von den Ergebnissen der langwierigen Übung sowie des genialen Moments, der
sorgfältigen Konstruktion sowie der passenden hundertstel Sekunde am
Kamera-Auslöser konnten sich die zahlreichen Gäste und Vereinsmitglieder im
Amthof ausgiebig überzeugen, bevor dann bei dem einen oder anderen Glas Wein
alte Geschichten ausgetauscht und neue Pläne geschmiedet wurden. (vt)
Die Gemeinschaftsausstellung ist jeden
Sonntag bis einschließlich 2. Dezember für Besucher geöffnet; jeweils von 11
bis 13 und von 15 bis 17 Uhr.